CONLEY´S PLAUDERTASCHEN
“Mein eigenes Modebiotop” – Katjusha Dawaiii übers Bloggen als persönliche Weiterentwicklung, Mut, Spontanität und Gorgonzolasalat.
August 10, 2010 | Erstellt von conleys | 9 Kommentare
Ja klar, auch wir haben in journalistischen Grundkursen gelernt, dass Texte kurz und bündig sein sollen. Aber Verzeihung, bei diesem Interview muss es anders gehen. Die Statements von Katjusha Dawaiii sind viel zu spannend und auch lehrreich, als dass wir dem Prinzip des Weglassens folgen könnten. Man hat bei ihr das Gefühl, alles hat noch einen weiterführenden Sinn. Also schnell die Eckpunkte: Katjusha lebt in Berlin, studiert Kommunikationsdesign und ihre Fangemeinde ist innerhalb weniger Monate von Null auf Unmengen hochgeschossen. Kein Wunder, bei soviel Kreativität:


Liebe Katjusha, willkommen zurück von Euerm Roadtrip durch Kroatien! Welches war Dein schönstes Erlebnis?
Mein Freund und ich sind in den Nationalpark Plitvicer Seen gefahren, wo Winnetou gedreht wurde. Das war schön. Trotzdem würde ich sagen, dass der Roadtrip an sich das schönste Erlebnis war. Mein Freund und ich hatten keine Pläne, keine Hotels gebucht, alles war spontan. Wir haben uns ins Abenteuer gestürzt, und das hat die Reise so besonders gemacht.
Ohja, ohne Plan lebt man viel mehr im Hier und Jetzt. Dein Blog ist auch für viele eine Entdeckungsreise. Hab ich das richtig verstanden, Du hattest vor dem jetzigen schon mal ein Blogprojekt?
Nicht wirklich, das war kein eigener Blog. Letztes Jahr im Sommer habe ich an einem interessanten Projekt teilgenommen: “Gib deiner Generation ein Gesicht“. Unter 11 000 Bewerberinnen (wenn ich mich nicht täusche) wurden vier Mädels ausgesucht, die für vier Wochen zusammen in die “BEBE Fashion WG” ziehen sollten, und ich war eine davon. Wir haben täglich an interessanten Projekten teilgenommen, z.B. eine Jeans für ONLY designt oder Ateliers berühmter Modedesigner besucht. Am Ende des Tages mussten wir das Erlebte in unserem Gemeinschaftsblog bloggen. Meine Mitbewohnerinnen haben mich über das Phänomen Modeblogger aufgeklärt, seitdem bin ich auf den Geschmack gekommen. Es wurde auch ein Generation Guide von der Bebe-WG veröffentlicht.
Was Du also anpackst, scheint zu funktionieren. Wie hast Du es geschafft, so schnell so viele Blogleser zu gewinnen?
Ich glaube, mein Video-Remake von Beyonce´s “Why don´t you love me” hat alles angekurbelt. Auf einmal hatte ich immer mehr und mehr Leser. Allerdings besteht die Kunst des Bloggens nicht aus einem tollen Video, sondern daraus, die Follower halten zu können. Das Interesse der Leser vergleiche ich mit einem Streichholz: Zuerst brennt es, es kann aber genauso gut wieder auslöschen – schneller als man denkt.
Außerdem spielt Kontinuität eine große Rolle. Man kann nicht einen Tag bloggen und die nächsten 2 Wochen spurlos verschwinden. Wenn man einen Blog anfängt, sollte man versuchen, regelmäßig zu posten, sonst langweilen sich die Leser.
Doch das Allerwichtigste ist: Individualität. Wenn Ihr also unterhaltsame Texte schreiben, ausgefallene Frisuren kreieren, tolle Nageldesigns erfinden könnt, dann postet es! Die Leute interessieren sich immer für was Neuartiges oder Außergewöhnliches. Man muss nur wissen, wo die eigenen Stärken liegen.


Du bist tatsächlich fleißig mit fast täglichen Posts, Bloggen vom Urlaub aus. Was bedeutet Bloggen für Dich, ist es Dein Leben?
Man kanns auch etwas überteiben, hehe… Bloggen ist auf jeden Fall ein Teil meines Lebens geworden. Ich bin mit viel Herzblut dabei. Ich habe mir ein eigenes Modebiotop erschaffen, wo meine Regeln herrschen. Ich merke auch, dass ich mich dank des Bloggens weiterentwickele. Zum Beispiel die Fotografie liegt mir immer mehr. Ich bekomme einen Blick für Details und ein Gefühl für interessante Perspektiven. Es öffnen sich täglich neue Ideensphären in mir, und ich entfalte mich immer mehr. Auch mein Englisch wird besser, da ich immer einen Text auf Deutsch und Englisch schreibe. Selbst zu bloggen ist eine kreative Ernährung und persönliche Weiterentwicklung.
Viele wundern sich, dass ich so viel aus dem Urlaub poste. Die einen liegen halt den ganzen Tag am Strand oder relaxen am Pool. Das tue ich auch, aber nicht nonstop. Meine Kamera ist mein treuer Begleiter, ich fotografiere viel damit – vor allem im Urlaub. Das Fotoknipsen ist wie zu einem Reflex geworden, so wie Hände waschen oder Kopf kratzen. Ich sehe es nicht als Pflichtaufgabe, sondern als Leidenschaft. Abends chillt man dann in seinem Hotelzimmer und lädt Bilder hoch, dat wars! ;D Also zu der Frage, warum ich im Urlaub poste: Weil ich möchte.
Spiegeln Fashionblogs das wahre Leben wider?
Das ist von Fashionblog zu Fashionblog verschieden. Einige nutzen ihren Blog als Online-Tagebuch und plaudern aus dem Nähkästchen und über vieles Privates. Ich finde das ok, jeder macht es halt so wie er will. Ich biete den Lesern auch Zutritt in mein Leben, aber es hält sich in Grenzen. Es ist mehr in meinem Interesse, die Leute zu inspirieren.
Wie magst Du es lieber: Perfekt inszeniert oder authentisch?
Ich liebe Theater, Musicals, Kinofilme und lasse mich davon inspirieren. Ich liebe es schillernd und ein bisschen dramatisch. Das wahre Leben ist monoton genug. Seinen Blog kann man gut als eigene Theaterbühne nutzen.

Ist das Verständnis für Mode und Ästhetik angeboren oder erlernt?
Meiner Meinung nach wird einem das Verständnis für Mode und Ästhetik in die Wiege gelegt. Mein ganzer Stammbaum ist kreativ. Meine Mutter ist Künstlerin und erfinderisch in allen Lebenslagen. Und mein Vater hat es immer geschafft, aus etwas Unbrauchbaren Gold zu machen, er hat wirklich die kreativsten Dinge zu Stande gebracht. Vielleicht liebe ich es auch deshalb so sehr, DIY´s zu machen.
Was bedeutet Stil: Wandelbar zu sein und mit Looks zu experimentieren? Oder einen einzigen Look konsequent durchzuziehen?
Mein Stil ist unvorhersehbar. Er entwickelt sich aus einer Laune heraus und ändert sich ständig. Ich mag vor allem den Boho-Hippie-Style. Federn, Haar- und Stirnbänder, überirdische Sonnenbrillen, Fransen, Blümchenmuster. Ich mag Klamotten, die mich in eine andere Zeit versetzen, vor allem in die Flower-Power-Ära. Außerdem bin ich experimentierfreudig und trage gerne Muster und Farben. Klar sind Nude Colours und Grautöne auch schön, aber meiner Meinung nach tragen den Look viele, weil man damit nicht viel falsch machen kann. Und mit diesem „ich-könnte-ja-was-falsch-machen-oder-zu-sehr-auffallen“ kann ich mich nicht identifizieren. Ein Funke Mut schadet nicht.


Wie wichtig ist Humor?
Mit Humor kannst du Probleme weglachen und auf lange Zeit vergessen. Humor ist die beste Therapie. Beim Bloggen darf er auch nicht zu kurz kommen. Gerade Modeblogger können mit humorvollen Texten dem Klischee „oberflächigen Modewelt“ entgegenwirken und zeigen, dass man nicht alles zu ernst nehmen muss.
Du scheinst das Leben so richtig zu genießen. Was gehört zur Lebensfreude?
“Live your life to the fullest!” Ja, ich bin ein absoluter Lebemann. Ich liebe es zu reisen und neue Plätze zu entdecken. Spontan zu sein, sich von den Fesseln des Alltags zu lösen. Zum Beispiel ein Flugticket für einen Tag in eine europäische Hauptstadt zu kaufen und sich vom Acker zu machen. ;D
Danke für den Tipp. Was wünschst Du Dir als Fashionblogger?
Ich möchte, dass mal irgendwer, irgendwo in Europa ein großes internationales Modebloggertreffen veranstaltet. Ich möchte mal all die kennenlernen, die ich schon seit einer Weile verfolge. Ich wäre sofort mit dabei!
Und als letztes noch etwas für den Moment: Süß oder Salzig?
Ich finde Gorgonzolasalat mit Erdbeeren, Camembert mit Preiselbeersauce oder Hühnchen mit Honig gut.
Also das, was auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpasst, aber hervorragend miteinander harmoniert. Das kann man auch auf den Umgang unter uns Menschen beziehen.
Oder auch auf Style. Möchtest Du noch was loswerden?
Ich kann mich leider bei Fragen nicht kurz fassen, sorry! Die Fragen waren interessant, nicht so 0815 und es hat mir echt Spaß gemacht, sie zu beantworten.
Danke!











