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Allgemein Travel

Mit 7PS durch die Rickshaw-Hölle!

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Sieben PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde sind nach Ansicht der Veranstalter des Rickshaw Run die idealen Voraussetzungen, um in einem Zeitraum von 14 Tagen den indischen Subkontinent zu durchqueren. Wir sprechen also von mindestens 3.500 Kilometern. Unter Einsatz eines Fahrzeugs, das in etwa so viel Schutz bietet wie ein Taucheranzug aus Papier. In ihrer natürlichen Umgebung ist die Rickshaw ein Nahverkehrsmittel zur Personenbeförderung im oft unübersichtlichen Verkehr der indischen Großstädte. Geländegängigkeit spielt da eine eher untergeordnete Rolle, Four-Wheel-Drive scheitert schon daran, dass so ein Gefährt überhaupt nur drei Räder hat. Trotzdem haben sich die Adventurists eine kleine Armada dieser Höllenmaschinen zugelegt, ihnen einige Tuning-Maßnahmen angedeihen lassen und den Rickshaw Run ins Leben gerufen.

 

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Für die Adventurists ist die ganze Welt ein großer Spielplatz, den man natürlich auch schützen muss
Da das Startgeld vergleichsweise schmale 1.385 englische Pfund pro Team beträgt und immerhin bis zu vier Personen so ein Team bilden können, haben wir es mit einem Event zu tun, wo der Grad sich der Verwegenheit nicht unbedingt an der Finanzkraft der Teilnehmer orientiert, sondern vielmehr an echten Werten wie Leidensfähigkeit, einer soliden Portion „Worauf zur Hölle hab’ ich mich da wieder eingelassen“ und natürlich der Freude am echten Abenteuer. Zusätzlich zum Startgeld wird allerdings von jedem Team eine Spende in Höhe von mindestens 1.000 Pfund für die Organisation „Cool Earth“ erwartet, die sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzt. Da sind die Jungs vom Abenteurerklub ganz pragmatisch. Überhaupt ist die Ansprache der Organisatoren eher die direkte. So wird jeder Teilnehmer darauf hingewiesen, dass er auf eigenes Risiko startet und dass dieses beileibe nicht unbeträchtlich ist.

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Mit einem richtigen Auto wäre das Ganze nicht aufregender als Paris-Dakar
Die empfohlene Route beschränkt sich auf die Bekanntgabe von Start und Ziel, auf welchem Weg man von dort nach da kommt, ist also Privatsache. Dass man dabei ein anderes Indien kennenlernt, als das touristisch erschlossene, ist geschenkt. Dass man dieses andere Indien immer richtig gut leiden kann, wird ausdrücklich nicht garantiert. Bei zu überwindenden Entfernungen von bis zu 5.000 Kilometern kann das Ziel also ganz schön viel Weg sein. Trotzdem stürzen sich immer wieder Wagemutige Hals über Kopf in dieses Vorhaben, und tatsächlich erreichen durchschnittlich 70 Prozent des Starterfelds auch wirklich das Ziel. Ob dank oder trotz der Rickshaw, da gehen die Meinungen traditionell auseinander. Worüber allerdings strikte Einigkeit herrscht, ist das überbordende Glücksgefühl, das sich beim Überqueren der Ziellinie einstellt. Die anschließende Party lässt sich nicht in Worte fassen, denn wie sollten diese beschreiben können, was nach 14 Tagen Rickshaw Run so alles ab- und weggefeiert werden muss. Außerdem ist das Rennen eine britische Tradition, und oft haben die Art und Weise, wie die Dinge auf der Insel begangen werden, auf uns Kontinentaleuropäer eine leicht verstörende Wirkung. Und nicht erst seit Phileas Fogg weiß man schließlich, dass der Engländer auf Reisen gern mal der Unmöglichkeit mit offenem Visier entgegentritt. Die Mission lautet: Überwinde zahllose Hindernisse in einem dafür absolut ungeeigneten Fahrzeug, und sorge dafür, das dein Team möglichst vollzählig 4.000 Kilometer später rechtzeitig zur Party kommt.

Dank der Entscheidung, hier ­mitzumachen, wachsen zwischenzeitlich erhebliche Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit
Anders als im normalen Leben ist das Aussteigen hier nur bedingt eine Op­tion, denn wahrscheinlich steht man da gerade im Nirgendwo und müsste erst mal 90 Kilometer zurück nach gar nichts. Und wenn dann alle inneren und äußeren Schweinehunde besiegt, das Vehikel ordnungsgemäß geparkt und die Wunden geleckt sind, kommt man langsam wieder zur Besinnung und stellt sich die zentrale Frage: „Kann ich noch mal?“

 

 

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