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Mina, Mode und das Meer! Interview mit Schauspielerin Mina Tander

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Warten auf Mina Tander – Berlin macht es mir leicht, es sind schon jetzt, am Vormittag, 32 Grad. Ich bin zu früh und warte vor dem TRYP Hotel bei einer eiskalten Cola auf eines der bekanntesten Gesichter unserer heimischen Filmlandschaft. Fakten Mina Tander: Filmschauspielerin mit Ballettausbildung und der Basis im Theater, Jahrgang ´78, verheiratete Mutter einer kleinen Tochter, wohnhaft in Berlin und uns bekannt aus deutschen Erfolgsschlagern wie `Maria, ihm schmeckt´s nicht`, oder `Männerherzen…und die ganz ganz große Liebe´. Gerade hat sie die Dreharbeiten zu „Buddy“, dem neuen Film von und mit Michael Bully Herbig abgeschlossen. Ich bin gespannt auf die Person, deren Eckdaten dies sind – in sieben Minuten sind wir verabredet. Hupkonzert und pöbelnde Radfahrer wie immer in Mitte, Taxen und Touristen kämpfen sich durch den Ausnahmezustand „Berlin Fashion Week“, es ist Juli in der Hauptstadt. Eine kleine, zierliche Frau mit riesiger Sonnenbrille fällt in dem sich über die Chausseestraße schiebenden Pulk sofort auf. Alle stapfen, sie schreitet. Ist sie das? Die letzten Schritte zum Gehsteig legt sie hüpfend in drei großen Sätzen zurück, die dunkle Wuschelmähne fliegt im Sommerwind – wie im Film, das muss sie sein. Ich gehe auf sie zu, sie nimmt die Sonnenbrille ab und lächelt mich an. „Hallo, ich bin Mina“. Hallo Mina. In der Suite angekommen wird das Make-up aufgefrischt, die Haare im Dutt gebändigt. Sie trägt eine leichte, königsblaue Bluse und genau die LTB Jeans, mit der auch ich schon länger liebäugele. Barfuß und im Schneidersitz macht sie es sich auf dem riesigen Bett bequem und sieht aus wie eine Fee. Das Gespräch entwickelt sich ganz von selbst, Mina lacht und erzählt, winkt ab und gestikuliert, auf einmal sind wir schon mitten im Interview. Jetzt schnell das Diktiergerät einschalten.

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Mina, in Deinem neuen Film „Buddy“ geht es um einen etwas tollplatschigen Schutzengel, der das Leben seines Schützlings gehörig auf den Kopf stellt. Gehen wir mal davon aus, jeder hat einen Schutzengel – aber hast Du auch einen Talismann?

Nee, ich habe keinen Talismann, den müsste ich ja überall hin mitnehmen! Als Frau und gerade als Mutter hat man ja meist den ganzen Hausstand griffbereit in der Tasche dabei. Wenn ich dann mal gar nichts bei mir habe, genieße ich das sehr.

„Buddy“ wird als emotionale, romantisch-schräge Komödie beschrieben. Was ist Dein liebstes Filmthema?

Da trifft „Buddy“ ganz meinen Geschmack, romantische Komödien schaue ich mir sehr gerne an. Und melodramtische Filmthemen sind mir die liebsten. Außerdem mag ich Polit -Thriller sehr.

Fließen im Kino dann auch bei dir als Profi mal Tränen?

Ja, auf jeden Fall! Wenn der Stoff gut gespielt ist, dann sind die Emotionen der Schauspieler in dem Moment wahrhaftig so empfunden und das überträgt sich auf den Zuschauer, egal ob Profi oder nicht. Umso besser und echter gespielt wird, desto mehr resoniert das Publikum. „Blue Valentine“ mit Michelle Williams und Ryan Gossling ist hierfür ein gutes Beispiel. Die beiden haben diese melodramatische Liebesgeschichte so fantastisch gespielt, da saß ich non-stop heulend im Kino.

Deine erste Leinwandliebe war…?

Der Junge aus ´Ronja Räubertochter, wie hieß er denn? Der mit den Locken…Björn? Achja, Birk! Ja, den fand ich ganz toll. Und natürlich Patrick Bach aus „Anna“, das war als Ballettschülerin ja eh total mein Thema und da war ich schon ein bisschen verliebt als Kind.

Welcher ist dein Lieblingsplatz in Berlin?

Da fallen mir sofort die Seen, der Wannsee, der Groß-Glieniker See ein. Die Natur dort ist so wenig von dieser riesigen Stadt tangiert, das ist schon außergewöhnlich. Einfach da sitzen, am See – herrlich.

Und Dein Lieblingsplatz überhaupt?

Ich liebe die Nordsee. Egal, wie es mir geht, wenn ich dort war, bin ich danach immer glücklich.

Was vermisst Du als gebürtige Kölnerin besonders in Berlin?

Die Rheinländer gelten ja als offen und herzlich, da fragt man beim Bäcker noch wie es so geht… Genau diese Art des Smalltalks, diese ehrliche Offenheit vermisse ich. Du musst nicht drei Jahre dort wohnen oder irgendwo jahrelanger Stammkunde sein, damit die Leute dich wieder erkennen wollen. Das mag ich sehr an Köln. Aber in meiner Wohnung in Berlin wohne ich auch schon neun Jahre, da kenne ich den Mikrokosmos um mich herum ganz gut und die Leute begegnen mir mit einer gewissen unverbindlichen Freundlichkeit, aber bis dahin hat es schon eine Weile gedauert. Was ich aber am meisten vermisse, ist das rheinländische Brot. Nicht böse sein, Berliner, aber das ist einfach besser!

Eine kleine Gedankenreise: Du bist in Deiner Lieblingsstadt, hast unerwartet Zeit, aber nur noch 10€ in der Tasche – was machst Du?

Ich bin in Rom und setze mich auf den Campo de´Fiori oder auf die Piazza di Santa Maria in Trastevere und betrachte diese wunderschöne Stadt. Achja, ich hab ja noch Geld, wie viel ? 10€? Super, dafür bekomme ich einen leckeren Café und dann reicht das Geld noch für einen kühlen Spumante dazu. Einfach sitzen und genießen, das geht wunderbar in Rom.

Als Ballerina hast Du täglich trainiert – wie sieht Dein Fitnessprogramm heute aus?

Aus meiner Zeit als Ballerina sind die Beinmuskeln geblieben, durch das jahrelange Training gehen die wohl nie ganz weg. Aber damit ist es natürlich nicht getan. Ich gehe sehr gerne laufen und nach der Schwangerschaft habe ich angefangen, gezielt mit Geräten zu arbeiten, um wieder in meine alte Form zu kommen. Zum Glück fällt es mir leicht „gesund“ zu essen, als Vegetarier ist es eh einfacher sich gut zu ernähren. Aber ich gebe zu mit dem Sport muss ich mich ranhalten…

Was machst Du nach Drehschluss als erstes?

Am liebsten ab in die Badewanne! Gerade nach einem Nachtdreh, morgens um 06:00h, wenn ich so richtig durchgefroren bin, das finde ich wunderbar.

Für Dreharbeiten und Auftritte wirst Du ständig geschminkt und schön gemacht – wie wichtig ist es Dir, auch mal nur im Jogginglook zu sein?

Wenn ich nicht arbeite, bin ich oft und gerne ungeschminkt, das empfinde ich als sehr angenehm. Aber die Grundpflege, also duschen, Haare waschen und Beine rasieren, das muss immer sein. Mir persönlich ist das wichtig, für mich und mein Körpergefühl. Lässiger Look ja, Schlabberlook nein!

Pflegst Du Beautyrituale?

Ich schminke mich abends immer ab, das ist superwichtig für die Haut. Es klingt klischeehaft, aber ich meide auch die pralle Sonne – blass ist zwar nicht immer trendy, aber meiner Haut zuliebe ziehe ich das konsequent durch.

Das eine Kleidungsstück, das Du nie trägst aber

auch niemals hergeben würdest?

Ich habe ein wunderschönes, historisches Bühnenkostüm, das würde ich natürlich nie einfach so tragen, aber es auch wirklich niemals hergeben! Ansonsten versuche ich regelmäßig meinen Kleiderschrank zu sortieren und konsequent auszumisten, was nicht immer gelingt!

Du wirst oft für eine deutsch-italienische Schauspielerin gehalten, dabei hast du afghanische Wurzeln. Was an Dir ist typisch afghanisch, was typisch deutsch?

Mein brodelndes und manchmal ausbrechendes Temperament wird meist dem afghanischem zugesprochen und das obwohl meine afghanischen Verwandten sehr entspannt und ruhig sind. Typisch deutsch ist für mich einfacher zu beantworten – ganz klar meine Arbeitsmoral und mein Perfektionismus.

Ein Blick auf die Uhr lässt Mina kurz zusammenzucken, wir haben uns verquatscht. Sie muss los, im Anschluss hat sie einen Termin bei einem Berliner Modelabel, Fashion Week halt, da haben auch Schauspieler einen vollen Terminkalender. Bis bald, liebe Mina, auf einen Plausch am Wannsee. Oder in Rom. Das Gespräch führte Helena Graves.

Fotos by Lillemor & Jeanne Degraa (Mina im Parker)

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