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Der „neue“ Straulino im Interview

Heute Vormittag hatte ich das Vergnügen ein äußerst lustiges (und ich meine wirklich lustig, weil wir beide viel gelacht haben) Interview mit the-one-and-only Straulino, im Rahmen seiner “Straulino Meets The Muse” Ausstellung nächste Woche Mittwoch, zu führen.  Ich dachte wir quatschen kurz, er antwortet schnell, schnell und aus die Maus. Aber es kam ganz anders. Um 10:00 Uhr klingelte mein Telefon und eine, noch etwas verschlafene, dunkle Männerstimme meldete sich am anderen Ende des Hörers. Straulino? Ja! Er habe JETZT Zeit! Gut ich auch – los geht’s. Zunächst noch etwas verhalten (eher meinerseits) mit der Zeit aber immer entspannter und lustig – ehrlich gesagt wiedererwartend lustig, denn dem selbstbewussten (und das darf er sein) Fotografen eilt ein etwas anderer Ruf voraus…

Aber der Reihe nach. Straulino, eigentlich Alexander, startete seine Selbständigkeit 1996 “Assistiert habe ich nie wirklich, außer einmal für den mittlerweile verstorbenen Still-Life-Fotografen Gerd Franik, dass war ne lustige Zeit, doch ich wusste sofort das ich nie ein Stilllifer werde” Stattdessen ist er einer der angesagtesten und bekanntesten Fashion Fotografen geworden. Bekannt machten ihn seine unvergleichlichen Beautyaufnahmen. Kaum ein anderer kann so wunderschön in Szene setzen – finde ich! “Bei Beautyaufnahmen erzeugt man eine Stimmung alleine durch eine leicht hochgezogene Augenbraue, diesen bestimmten Blick, ein spezieller Winkel – viel spielen darf das Mädchen nicht, obwohl ich es liebe, den Models bei der Arbeit zuzusehen – ich möchte sie in diesem besonderen Moment erwischen, der das Bild einzigartig macht. Zu viel Posing kann ein Bild kaputt machen – vor allem ist es dann austauschbar. Was bringt es mir wenn ich etwas versuche zu kopieren – ein Bild zu schießen, wie es tausendfach in irgendwelchen Magazinen zu finden ist?”

Wie recht er hat, doch wie inspiriert sich ein Künstler wie Straulino?

“Meine Inspiration schöpfe ich eher aus komischen Momenten, plötzlich fällt mir etwas auf, dass mir gefällt oder eine Idee und dann fotografiere ich das einfach. Es ist mir mittlerweile egal was andere denken, ich will so sein wie ich eben bin und wenn es den Leuten nicht gefällt, dann eben nicht – ich wäre nicht da wo ich jetzt stünde, wenn ich auf all meine Kritiker gehört hätte. Ich höre auf gewisse Menschen, doch nicht jede Meinung beeindruckt mich”

Mit dieser Meinung eckte er an, doch heute macht er das wovon viele seiner Kollegen träumen. Er kann sich fast schon aussuchen für wen er arbeiten möchten, in seinem Portfolio tummeln sich nur Magazine wie Allure, Tatler, Tush, Harpers Bazaar, Harpers Bazaar US, L’Officiel, German Vogue und so weiter und so fort. “Das Problem der meisten Fotografen, sie geben sich selber keine Zeit, sie denken, sie müssten innerhalb kürzester Zeit in riesiges Portfolio erstellen. Doch das ist Blödsinn, als Fotograf muss man sich die Zeit nehmen gute und ich meine wirklich gute Bilder zu schießen, es bringt nichts wenn man 300 Bilder in der Mappe hat und 250 sind für die Tonne. Lieber 20 gute Bilder und gut ist. Ich habe mir dafür fast ein Jahr genommen und in Prag gelebt.” Es hat sich ausgezahlt, Straulino spielt mit dem Gedanken wieder nach New York zu ziehen, dort wird seine Ausstellung auch gezeigt. Übrigens wird die Fotoreihe, die aus 25 Motiven besteht und ebenfalls in New York mit der Modelagentur Muse Models NYC entstanden ist, nur genau einen Tag ausgestellt.

“Ich finde das fantastisch, so bekommt die Ausstellung etwas Einzigartiges, sie zeigt sich nur kurz und knackig – so was mag ich. Und wer es nicht versteht, auch nicht schlimm, man muss nicht jedes Bild verstehen. Bei dieser Reihe steht klar der Kontrast zwischen Nacktheit und Angezogen im Fokus, in den USA bin ich mit dieser Art der “sexuellen”-Darstellung – egal ich fotografiere es trotzdem. Außerdem will ich das die Leute sich mit meinen Bildern beschäftigen, etwas mit ihnen passiert, sie darüber nachdenken – jeder hat seine eigene Interpretation … und das ist auch gut so, denn ich möchte nicht zu den “Altpapiererzeugern” gehören.”

Altpapiererzeuger?

“Fotografen die nicht auf die Qualität ihrer Bilder achten und diese Bilder, irgendwann, abgedruckt in irgendeinem Magazin, als Altpapier, Füllstoff oder gar Brennholz dienen” Auf die Idee mit dem Brennholz habe ich ihn gebracht und er brach in schallendes Gelächter aus, wobei er es durchaus interessant finden würde seine Bilder einmal anzuzünden und dabei zu fotografieren … Wie sieht er sich denn selber, der Straulino? “laut, leise, bunt, farblos” Und was ist er heute? “Momentan bin ich leise, ich möchte etwas purer, ein wenig unnahbarer und cleaner werden, weniger Retusche, darauf habe ich bei dieser Ausstellung sehr geachtet.” Ja man könnte sagen der “neue” Straulino hat etwas an Farbe verloren, aber durchaus im positiven Sinne, denn dieses Leise steht ihm ganz gut, dem Mann der die Polaroid-Ausstellung von Newton so sehr liebt. Ich mag Straulinooo und werde nächste Woche auf jeden Fall zu seiner Ausstellung gehen – n’ Drink hat er mir auch schon versprochen! Und worüber wir dann gesprochen haben verrate ich jetzt nicht …

Bis bald,

Eure Leonie

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